Neuer dänischer Einbürgerungstest

Der neue Einbürgerungstest wurde im Juni diesen Jahres das erste Mal durchgeführt und steht seitdem heftig in der Kritik. Vor allem wird die Sinnhaftigkeit und Qualität einiger Fragen von allen politischen Lagern bezweifelt.

Grundidee des Einbürgerungstests

Wer es vom „nur“ leidenschaftlichen Dänemark-Urlauber zum echten dänischer Staatsbürger bringen will, muss mehrere Tests erfolgreich bestehen. Dazu gehört unter anderem auch der „Indfoedsretsproeven“, der Einbürgerungstest. Das war bis zum Herbst 2015 ein Multiple-Choice-Test mit 30 Fragen, von denen mindestens 22 Fragen in 45 Minuten richtig beantworten werden mussten. Die Fragen sollen das Allgemeinwissen über die dänische Kultur, Gesellschaft, Geschichte, Politik, Gesetzgebung prüfen. Dieser Test wurde im Oktober letzten Jahres angepasst und deutlich erschwert. Statt 30 gibt es jetzt 40 Fragen, von denen mindestens 32 richtig beantwortet werden müssen, um nicht durchzufallen.

Symptom einer verschärften Asylpolitik

Politische Beobachter sehen in dieser Verschärfung eine weitere Maßnahme zur Abschreckung von Flüchtlingen, die in Dänemark Zuflucht insbesondere vor den Kriegen im Nahen Osten und Nordafrika suchen. Die Initiative für die Änderungen ging von der rechtsliberalen Regierungspartei Venstre aus, die als Minderheitsregierung von der rechtspopulistischen Dansk Folkeparti geduldet wird. Dies hatte in der Vergangenheit zur Folge, dass Venstre immer wieder Zugeständnisse machen muss. Das spiegelt sich gerade jetzt in der Asylpolitik wider. Das Paradigma dieser neuen Politik umschreibt Inger Støjberg, ihres Zeichens Ministerin für Einwanderung, Integration und Wohnungsbau und maßgeblich für die Verschärfung der Einbürgerungsgesetze verantwortlich, sehr prägnant in einem Satz:

Wir tun das Maximale, damit es nicht attraktiv ist, nach Dänemark zu kommen.

Der Sinn und Zweck des Tests ist fragwürdig

Anfang Juni dieses Jahres wurde der Test in seiner neuen Fragen das erste Mal ausprobiert. Das Ergebnis war deutlich: Fast 60% der knapp 2.400 Bewerber fielen durch. Das ist aber auch kein Wunder, sagen die Kritiker, die die Sinnhaftigkeit der Fragen stark bezweifeln. Der Vorsitzende der dänischen Sprachzentren, Poul Neergaard, kommentiert den Test zum Beispiel so:

Es sind 40 Fragen, und bei 10-15 davon fragt man sich: Was für ein Gedanke steckt da eigentlich dahinter?

Die Opposition findet noch deutlichere Worte der Kritik. Peder Hvelplund von der Enhedslisten nennt den Test „tåblig“, was mit „töricht“, „dumm“ oder auch „bescheuert“ übersetzt werden kann. Auch in den eigenen Reihen hat man gemischte Gefühle wegen des neuen Tests. Der Kommentar von Preben Bang Henriksen (Venstre) lautete:

Ehrlich gesagt, bin ich über einige der Fragen etwas entsetzt.

Etwas flapsig formuliert, würde ich auch wissen wollen, was die Verfasser des Tests geraucht haben, als sie sich die Frage ausgedacht haben, wann der erste Film von der Olsenbande in die Kinos kam. Selbst der Schauspieler Morten Grunwald – alias „Benny Frandsen“ von der Olsebande –   wusste die Antwort nicht:

Daran kann ich mich noch nicht einmal selbst erinnern!

Als i-Tüpfelchen und Wasser auf die Mühlen der Kritiker kam letzte Woche auch noch heraus, dass in den offiziellen Vorbereitungsunterlagen zum Einbürgerungstest vier Fehler stehen. Peinlich, peinlich für das Ministerium.

Bin ich ein guter Däne?

Nachdem ich die Fragen durchgesehen habe, denke ich auch, dass sie nicht dazu geeignet sind zu testen, ob man ein guter Däne oder eine gute Dänin werden kann oder nicht. Wie lebenswichtig sind schon die Antworten auf solche Fragen wie „Welches dänische Restaurant hat seit Februar 2016 drei Michelin-Sterne?“ oder „Das Osterei hat seine Wurzeln in einem alten Symbol. Welches?“? Ich behaupte, dass solche Fragen absolut überflüssig sind. (Bei der Michelin-Frage stellt sich mir erst einmal eine ganz andere grundsätzliche Frage, die auch Herr Hvelplund schon gestellt hat: Wie viele von uns werden denn jemals in irgendeinem drei Michelin-Sterne Restaurant in Dänemark speisen? Und welche Folgen hat es für meine dänischen Mitbürger, wenn ich nicht weiß, wie dieses Restaurant heißt?) Wichtiger ist doch wohl, dass man das dänische Grundgesetz und die damit verbunden Werte bejaht und lebt.

Damit ihr euch selbst eine Eindruck verschaffen könnt, welche Fragen auf Antragssteller in Dänemark zukommen, habe ich hier ein paar Originalfragen zusammengestellt. Testet mal, ob Ihr gute, dänische Staatsbürger werden könntet:

  • Wann würde Dänemark Mitglied der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion?
  • Wann ist Sankt Hans?
  • Wie viele Vertreter hat Grönland im Folketing?
  • Können Homosexuelle kirchlich heiraten?
  • Worum geht es in dem Ballett „Sylfiden“?
  • Wie viele Ständeversammlungen wurden 1834 eingerichtet?
  • Welches dänische Restaurant hat seit Februar 2016 drei Michelin-Sterne?
  • In welcher Konstellation entdeckt Tycho Brahe einen neuen Stern?
  • Dänemarks Bevölkerung waren im Mittelalter in vier Klassen, so genannt Stände, unterteilt. Welche vier Stände waren beteiligt?
  • Wie viele Kommunen gibt es in Dänemark?
  • Wann lebte der Komponist Carl Nielsen?
  • In den Jahren 1657 bis 1660 stand Dänemark im Krieg mit Schweden. Welche Konsequenzen hatte das für Dänemark in 1658?
  • Im Mai 2016 wurde die Konferenz „Women Deliver“ in Kopenhagen abgehalten. Wer war die Schirmherrin der Konferenz?
  • Das Osterei hat seine Wurzeln in einem alten Symbol. Welches?

Die Regierungspartei hat mittlerweile eingeräumt, dass einige Fragen überarbeitet werden müssen. Ich persönlicher würde noch weiter gehen als die werte Ministerin Støjberg und zum Beispiel die Olsenbande-Frage komplett rausschmeißen. Das ist aber nur meine ganz persönliche, bescheidene Meinung …

Die Diskussion über den Einbürgerungstest wird vermutlich noch eine Weile anhalten. Die Leidtragenden sind dabei vor allem die Asylsuchenden. Der Test kann laut Gesetz erst in sechs Monaten, im Dezember 2016, wiederholt werden. Bis dahin müssen sie immer noch warten und sind vor einer Abschiebung zurück in den Krieg nicht sicher.

Links:

PS & unnützes Wissen, das niemand braucht: Der erste Film der Olsenbande kam 1968 in die Kinos.

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