Poul Henningsen oder die Lampe im Ferienhaus

Jeder, der schon einmal in einem dänischen Haushalt zu Besuch war, sind vielleicht Lampen aufgefallen, die so oder so ähnlich in ganz vielen Ferienhäusern hängen. Eine Lampe, die ganz häufig über Ess- und Couchtischen zu finden ist und ihr bestimmt alle erkennt:

Diese Lampe stammt aus einer Lampen-Serie mit dem Namen „PH“. „PH“ ist die Abkürzung des Namens des Designers der Lampen: Poul Henningsen (1864 – 1967). Henningsen ist einer der bekanntesten dänischen Designer und einer der bedeutendsten Personen des kulturellen Lebens im Dänemark zwischen den Weltkriegen.
Der berufliche Werdegang begann mit einem abgebrochenen Studium der Bautechnik und später Architektur in Kopenhagen. Nach der Studienzeit war er Kunstkritiker und Mitherausgeber von Kunstzeitschriften. Parallel arbeitete er bei den Zeitungen „Politiken“ und „Ekstra Bladet“ als Journalist – eine sehr interessante Kombination von Zeitungen!?! Hinzu kam noch sein politisches Engagement für soziale Verbesserungen während seines gesamten Lebens. Was ihn wohl wegen seiner zum Teil recht radikalen Ansichten den Job bei der Zeitung gekostet hat.
Die Geschichte der PH Lampen beginnt im Jahr 1924. Ab diesem Jahr bis zu seinem Tode arbeitete Poul Henningsen für den Unternehmer Louis Poulsen. Bereits im ersten Jahr entwickelte er Tisch-, Wand- und Hängelampen, die heute Bestandteile der berühmten PH Serie sind. Wenn der Legende Glauben geschenkt werden darf, ist ihm die Idee für die Lampen beim Anblick von gestapelten Tassen, Schüsseln und Tellern in seiner Küche gekommen. Die einfachen Dinge im Leben sind doch die schönsten … auch für Designer.

Seine Kollegen sahen das ebenso: Die Serie errang bei der renommierten Weltausstellung des Kunstgewerbes und des Industriedesigns in Paris (1925) und bei der Weltausstellung in Barcelona (1929) die höchsten Auszeichnungen.
Die Form dieser Lampen spiegeln mehrere Designprinzipien wider, die Poul Henningsen immer verfolgt hat. Ein Prinzip ist das des indirekten Lichts. Durch die unterschiedlich geformten und angeordneten Lampenschirme, wird das Licht nach unten gelenkt. Der ganze Raum wird also niemals durch direktes sondern nur durch diffuses Licht erhellt. Ziel ist es, ein gutes Umlicht zu schaffen, indem das grelle Licht der Glühbirnen auf ein Mindestmaß reduziert wird. Früher wurden die Lampenschirme von innen zusätzlich mit goldener Farbe bestrichen, um ein noch wärmeres Licht zu erzeugen. Das Prinzip ist ganz einfach erklärt: Das Licht soll den Raum so ausleuchten, dass die berühmte „Hyggelig‘keit“ nicht verloren geht.
Ein anderes Prinzip ist den Kollegen von Poul Henningsen geschuldet: Er empfand die skandinavischen Designer der damaligen Zeit als etwas abgehoben und überheblich. Im Gegensatz zu seinen Kollegen sollte Design für ihn nicht nur künstlerisch wertvoll sondern auch zweckmäßig sein. Schließlich hat keiner etwas davon, wenn beim Abendbrot die ganze Familie Sonnenbrillen tragen muss! Er wollte allen Dänen – und auch Nicht-Dänen – Design näherbringen. Dazu gehören auch erschwingliche Preise, damit sich jeder die Produkte auch kaufen kann. Dieses Zitat aus den 20’er Jahren fasst seine Anforderungen an Design ganz gut zusammen:

Es geht darum, […] für eine klarere, wirtschaftlichere und schönere Beleuchtung zu sorgen.

Wenn sich also jemand in einem Ferienhaus in Henne Strand mal wieder den Kopf an einer (nach deutscher Meinung) viel zu niedrig hängenden Poul Henningsen Hängelampe stößt, denkt daran: Das ist (dänisches) Design, das gehört so!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.